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Photovoltaik auf freien Flächen?

Veränderungen sind nicht immer leicht – das gilt vor allem auch für die zukünftig möglichst umweltschonende Bereitstellung von Energie. Die Klima- und Energiestrategie Österreichs sieht unter dem klingenden Namen #mission2030 einen erheblichen Ausbau von Solar- und Windenergieanlagen sowie Wasserkraftwerke und Biomasseanlagen vor. Für die Photovoltaik, bei der durch Sonneneinstrahlung Strom produziert wird, bedeutet das einen Zubau für die Produktion von mehr als elf Terrawattstunden elektrischer Energie – das ist in etwa die Produktionskapazität eines Atomkraftwerks in Deutschland. Gleichzeitig ergibt sich daraus ein Flächenbedarf von mehr als sieben Quadratmetern Photovoltaikmodule pro Österreicher. Daraus leiten sich die Fragen ab, ob das auf unseren Dächern Platz findet und welche Vor- und Nachteile Freiflächenanlagen eigentlich haben.

1 Million Dächer

Seitens der Bundesregierung wird der Ausbau von Dachflächen im Zuge des „1 Million Dächer Programms“ forciert. Technische, wirtschaftliche, ökologische, soziale und vor allem bürokratische Faktoren reduzieren aber das Dachpotenzial, weshalb viele Experten von einem notwendigen Ausbau von PV-Freiflächenanlagen sprechen. Christian Purrer, Sprecher des Vorstandes der Energie Steiermark, gibt einen Überblick: „Der wichtigste Zusammenhang und gleichzeitig auch ein limitierender Faktor beim Ausbau der Photovoltaik ist der Ausbau des Leitungsnetzes. In der Steiermark ist das Stromnetz an seiner Kapazitätsgrenze und je dezentraler die Stromproduktion wird, desto wichtiger wird der dezentrale Netzausbau. Dabei entstehen Kosten, die jemand tragen muss. Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist daher der Ausbau von Großanlagen sinnvoll, da sich die Leitungskosten hier wirtschaftlich im Projekt abbilden lassen.“

Als Faustregel für den Ausbau von PV-Freiflächenanlagen gilt: Ein Hektar Fläche gibt Raum für rund ein Megawatt installierter PV-Leistung und ermöglicht maximal einen Kilometer Leitungslänge wirtschaftlich im Projekt darzustellen. Kleine Anlagen sind demnach wirtschaftlich schwerer rentabel, wenn sich nicht eine günstige Möglichkeit der Energieableitung bietet. Bei Windparks ist eine Kombination mit PV-Freiflächen sinnvoll. „Bei Windparks ist eine Kombination mit PV-Freiflächen sinnvoll. Während bei Windrädern am meisten Energie im Frühjahr und Herbst produziert wird, hat die Photovoltaik ihr Maximum im Sommer. Durch Synergien in der Energieableitung ergibt sich daraus ein sehr gutes Konzept“, ist Purrer überzeugt.

Doppelnutzung

Neben der Wirtschaftlichkeit ist auch die Doppelnutzung auf Agrarflächen ein sehr emotionales Thema. Bis Ende des Jahres wird am Sachprogramm Erneuerbare Energie, Fokus PV gearbeitet, wo Vorrang- und/oder Ausschlusszonen definiert werden sollen. Grünes Licht sollen Freiflächenanlagen auf landwirtschaftlich gut nutzbaren Flächen nur bei Doppelnutzung erhalten. Der Konzernsprecher ergänzt: „Bei einer unserer Anlagen in Modriach werden bereits seit 2015 von einem ansässigen Landwirt Schafe gehalten, das funktioniert sehr gut“. Ein kompliziertes Unterfangen zeichnet sich also beim Zubau von PV-Anlagen ab. Und dabei haben wir über Eingriffe in das Landschaftsbild und die damit verbundenen touristische Aspekte noch gar nicht gesprochen. Purrer dazu: „Der bürokratische Aufwand muss sich auch in Zukunft in Grenzen halten, um die ambitionierten Klimaziele zu erreichen und Projekte auch wirtschaftlich darstellen zu können. Außerdem könnten von Ländern, Regionen und Gemeinden auch Vorrangzonen ausgewiesen werden, damit der Ausbau planbar wird. Die Akzeptanz in der Bevölkerung und eine positive Bewusstseinsbildung ist ebenfalls sehr wichtig. Eine Photovoltaikanlage ist ein vergleichsweise sehr angenehmes Kraftwerk. Es gibt keinen Lärm, keine beweglichen Teile und keine Emissionen. Außerdem bieten wir bei großen Anlagen auch die Möglichkeit einer regionalen Bürgerbeteiligung mit einer Fixverzinsung.“

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Christian Purrer, Sprecher des Vorstandes der Energie Steiermark. Foto: Energie Steiermark
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Auch neue technische Ansätze wie „PV-Zäune“ könnten in Zukunft stärkere Anwendung finden. Foto: Next2Sun GmbH


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